Wie läufts denn so?

Wie läufts denn so?

27. April 2018 Alles lesen Schneller auf 10 km Schuh & Co 1

Nur noch eine Woche bis zum Fun Run: Zeit für ein Zwischenfazit. Ein ganz und gar ungeschöntes.

Wie unschwer erkennen kann, wer diesem Blog folgt, laufe ich abends. Meine Zeit ist die zwischen 22 und 24 Uhr. Warum? Weil die Familie da schläft und ich nichts verpasse. Obwohl: Früher hab ich viel gelesen. Immer zu diesen Zeiten. Das habe ich lange nicht mehr gemacht.

Das Laufen bei Nacht hat allerlei Vorzüge. Man trifft nur auf wenige Menschen, die sich darüber Gedanken machen, warum da einer so schwer keuchend ankommt. Man kann Straßen überqueren ohne an Ampeln warten zu müssen, es ist kühl und es ist dunkel. Letzteres sorgt dafür, dass man das Ende des ein oder anderen Weges, Berges, etc. nicht sieht. Erfahrungsgemäß ist das gut für die Motivation. Zumindest kommt es mir so vor. Manche Strecke hätte ich bei Tageslicht nicht so schnell geschafft.

Nun findet der Fun Run aber leider nicht nachts statt, sondern vormittags. Und wie in den Vorjahren steht zu befürchten, dass der Sommer ein Stelldichein gibt und es brüllend warm wird, selbst wenn das Weißbierfest an den Tagen zuvor regelrecht ins Wasser fallen sollte. Verkehrte Welt halt.

Eine Woche und zwei Tage vor dem Fun Run, drehe ich also zum ersten Mal an einem warmen Nachmittag meine Runden. Meine Durchschnitts-Pace liegt irgendwo bei 5:35 und ich halte 13 Kilometer lang durch. Nicht schlecht, Herr Specht. Aber frage nicht wie.

Vom ersten Schritt an habe ich einen trockenen Mund. Ob’s daran liegt, dass ich zuvor noch eine Tasse Kaffee getrunken habe? Zu Zeiten, an denen ich nicht lief, sondern hin und wieder im Fitnessstudio mehr oder weniger erfolgreich an meinen Mukkis arbeitete, habe ich mir angewöhnt, vorher eine Tasse Kaffee zu trinken. Koffein-Doping sozusagen und es hat zumindest nie geschadet. Dass Kaffee zu sehr entwässert habe ich mittlerweile schon genauso oft gehört, wie gegensätzliche Aussagen, wonach man das nicht pauschal sagen könne oder die aufweckende Wirkung diesen Makel aufwiege. Ich für meinen Teil, werde vor dem Laufen vorerst keinen Kaffee mehr trinken. Dabei liebe ich ihn.

Mein zweiter Fehler: kein Kopfschutz, keine Sonnencreme. Mit hochroten Kopf trudel ich nach über einer Stunde wieder zuhause ein. Dazu müssen meine Lippen, die während des gesamten Laufs schon spannten, so weiß gewesen sein, dass meine Freundin vermutete, dass ich sie mit Blistex eingeschmiert hatte. Tatsächlich ist es Salz, das sich über den Schweiß abgelagert hat. Beim jüngsten Ernährungsseminar, das die AOK für das Kurier-Laufteam veranstaltete, hieß es dazu: Spätestens jetzt Mineralstoffe nachtanken! Mach ich jetzt auch. Und zwar so, wie ich es – ebenfalls in diesem Kurs – gelernt habe: mit selbstgemischter Schorle. Vor kurzem noch griff ich stattdessen zu Vitamin-C- und Magnesiumtabletten. Der Nachteil laut Ernährungsberaterin: Wenige Mineralstoffe in unnötig hoch dosierter Form. Dafür fehlen aber jede Menge andere Stoffe. In natürlichen Fruchtsäften soll das Verhältnis ausgewogener sein. Na dann mach ich das mal so.

Apropos gewogen: Seit Beginn meines Lauftrainings vor zwei Monaten habe ich fünf Kilo verloren. Auch an der Hüfte, wo sich zuletzt durch Weihnachtsschmankerl und Guten-Abend-Biere etwas angesammelt hatte, das ich so noch nicht kannte und ganz gerne loswerden wollte. Zum ersten Mal in meinem Leben hatte ich so etwas wie einen Bauch, den man auch im bekleideten Zustand ganz gut gesehen konnte. Der Stoffwechsel ist mit 36 Jahren also auch nicht mehr das, was er mal war. Mittlerweile wiege ich wieder ziemlich genau 80 Kilo bei einer Körpergröße von 1,80 Metern. Eigentlich ideal, hätte ich nur nicht am Oberkörper auch einiges an Muskelmasse verloren, die ich mir zuvor mühevoll antrainiert hatte.  Es dauerte ewig, ich bin der typische Hardgainer, meine Muskeln wachsen also schwer und langsam. Aber zusätzlich zum Lauftraining auch noch Muskelaufbau? Dafür fehlen mir Zeit und Lust. Vielleicht gewöhne ich mir morgens ein paar Liegestütze an. Mehr ist aber nicht drin. Meine heimlich Hoffnung heißt Schwimmen. Vielleicht bekomme ich das ja halbwegs regelmäßig hin. Die Bäder öffnen ja am 10. Mai.

Wo ich gerade so in Plauderlaune bin: An meinem Trainingsplan bin ich zumindest vorerst gescheitert. Der sah vor, dass ich diese Tage Tempoläufe hinlege. Ich müsste einige Kilometer, lasst es fünf sein, auf Anschlag laufen. Für mich heißt das: eine Pace von 5:00 (also 5 Minuten pro Kilometer brauchen). Und anschließend müsste noch ein Kilometer in 4:45 Minuten dran gehängt werden. Vier Kilometer ein- und auslaufen gehören natürlich auch zum Pensum. Ganz ehrlich Petzi (Martin Petzendorfer, mein Coach): Das pack ich nicht. Das hat auch gar nichts damit zu tun, dass ich in diesem Frühjahr den Heuschnupfen meines Lebens hatte. Da halfen weder Tabletten noch Nasenspray. Das hat auch nichts damit zu tun, dass ich nach längeren Läufen auf Asphalt vor lauter Rückenschmerzen kaum noch meine Schuhe ausgezogen bekam, geschweige denn die Kompressionsstrümpfe, was in so einem Fall echt ein Problem ist. Scheinbar stimmt etwas mit meiner Lendenwirbelsäule nicht. Petzi hat sie mal aufgedehnt, da hat es ordentlich gekracht und schwupps, waren die Schmerzen weg. Tio, tio, toi!

Nein, das sind alles nicht die Gründe für mein Scheitern. Sondern ich kann gerade einfach nicht mehr leisten. Ich schaffe Intervalle und Steigerungsläufe. Laufe einen Kilometer in 5:05 und den nächsten in 5:45. Wenn ich das sechsmal wiederhole, dann falle ich beinahe tot um. Aber es macht Spaß. Ohne Anleitung, wären mrt Intervalle und andere lustige Dinge niemals eingefallen, geschweige denn hätte ich nach den ersten, die die schlimmsten waren,  weitergemacht. Und diesen Spaß gönne ich mir jetzt noch ein paar Wochen länger. Die nächsten Schritte können warten, bis ich mich bereit fühle. Ich stehe schließlich erst am Anfang.

 

 

Eine Antwort

  1. Julia sagt:

    Ein sehr guter Artikel! Als Laufneuling habe ich zwar noch nicht so viel Erfahrung. Meine neueste Erkenntnis ist, dass es bei mir nicht darauf ankommt, ob ich in den letzten 24h vor dem Lauf genügend getrunken habe, sondern ich merke, was ich drei bis vier Tage vorher gemacht habe. Wenn ich da wenig getrunken hatte oder zu viel Stress hatte, wird der Lauf nicht so gut. Ich werde das mal weiter beobachten.
    Krafttraining habe ich auch schleifen lassen und war nur noch einmal pro Woche im Fitnessstudio. Woher auch die Zeit nehmen? Letzte Woche hat mir aber schon die Stabilität im Oberkörper gefehlt. Das geht so erschreckend schnell.

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