Mein Fun Run: Der Lehrer spricht

Mein Fun Run: Der Lehrer spricht

7. Mai 2018 Alles lesen 2

Erst hatte ich kein Glück,  dann kam auch noch Pech dazu. So lässt sich der Fun Run 2018 zusammen fassen. Also subjektiv. Für mich, der ich meine Bestzeit abliefern wollte und stattdessen langsamer wurde. Der ich jetzt mit Außenbandriss auf der Couch liege und Wunden lecke.

Was hatte ich nicht alles vor. Ich wollte zum ersten Mal nach Plan trainieren. Wollte meine letzte Fun Run-Zeit von 58 Minuten unterbieten. Wollte die Schmach vergessen machen, die ich beim Mainauenlauf im vergangenen Jahr erlitt. Als ich für zehn Kilometer erstmals mehr als eine Stunde brauchte. Dabei sollte man verschiedene Läufe doch nicht miteinander vergleichen. Ich bin aber auch beratungsresistent.

Und jetzt liege ich da und hirne über einen Satz, den mir Lauftrainer Martin Petzendorfer zum Trost mit auf den Weg gegeben hat:

“Wenn der Lauf nicht dein Freund ist, dann ist er dein Lehrer.”

Klingt gut. Nur was will er mir sagen, dieser Lehrer?

“Dass du den Kopf frei bekommen muss”, sagt Petzendorfer. “Und dass du dich an Trainingspläne halten sollst.”

Nun gut. Dass ich mich nicht daran gehalten habe, das hatten wir ja schon. Weil mit die Sprünge zu groß erschienen. Weil ich mehrere Kilometer am Stück Zeiten hätte laufen sollen, die ich gerade einmal einen Kilometer durchgehalten habe. Eine 4:45er Pace schaffe ich derzeit eben nicht zum krönenden Abschluss nach mehreren 5ern, sondern nur in Ausnahmefällen, gut erholt sozusagen, nach 6er-Runden. Oder quäle ich mich nur nicht genug? Könnte ich mehr, als ich glaube, wenn ich es nur versuchte? Habe ich nur Angst? Erstmal suche ich nach anderen Gründen.

Gut, es war warm beim Fun Run. Für jemanden, der für gewöhnlich nachts trainiert, sind 23 Grad am Mittag schon eine Hausnummer. Aber das alleine kann es nicht gewesen sein. Tatsächlich war die Angst beim Laufen groß. Dass es unschön werden könnte. Dass mir die Luft ausgehen könnte. Dass ich kämpfen müsste.

Bis zur Hälfte der Strecke habe ich mich an die Vorgaben des Trainers gehalten. Bin um 5:30 Minuten pro Kilometer gelaufen. Aber dann. Dann hätte ich alle 1000 Meter 5 Sekunden schneller werden sollen. Der Startschuss für diese Aufholjagd, der fiel aber nicht. Es war niemand da, der ihn hätte geben können. Und ich selbst habe die Verantwortung dafür abgewälzt. Hab den Moment, ab dem es anstrengender werden sollte, immer wieder aufgeschoben. Bis zum Uni-Highway. Bis zum Röhrensee. Bis zur Friedrichstraße. Bis zum Marktplatz. Und dann war es schon gelaufen. Ich stellte mich auf eine mittelgute Zeit ein, nahm mir dann doch noch einen kurzen Alibi-Schlusssprint vor und scheiterte …

… an einer Bordsteinkante.

Ein Tritt, ein Knicks, ein Schmerz.

Nach 59 Minuten und 53 Sekunden kam ich ins Ziel. Eineinhalb Minuten später als vor drei Jahren. Unter 55 Minuten hätten es werden sollen. Kurze Zeit später wird der Knöchel dick.

Der Arzt diagnostiziert am nächsten Morgen einen Riss des Außenbandes. Vier Wochen Pause. Die Revanche beim Mainauenlauf ist in weiter Ferne. Wenn’s läuft, dann läuft’s.

In ruhigen Minuten, vor dem Einschlafen, schaut der Lehrer seitdem regelmäßig vorbei. So langsam glaube ich zu wissen, was er mir sagen will:

“Du bist deines eigenen Glückes Schmied. Quäl dich, oder lass es. Beides ist okay. Aber beschwer dich hinterher nicht.”

Und:

“Wenn du in diesem Sport (und wahrscheinlich auch in allen anderen Lebensbereichen, weil du eben bist, wie du bist) etwas erreichen willst, dann brauchst du jemanden, der dir in den Hintern tritt!”

Ich bin kurz davor, dem Lehrer zu antworten. Ich will sagen:

“Ich habe verstanden. Zieh dich warm an. Ich habe nicht nur Wunden, sondern Blut geleckt.”

Morgen mache ich das. In vier Wochen geht die Jagd auf den inneren Schweinehund von vorne los. Ich bin jetzt um eine wichtige Erfahrung reicher.

2 Antworten

  1. Maria Hennig sagt:

    Hut ab, Thorsten, dass du deinen „Lehrer“ erhört und verstanden hast! Die meisten Menschen würden sich einfach noch lange, lange ärgern. Sich im Gedankenkarussel bis zur Erschöpfung weiter drehen…Und des Ärgers wegen und weil man sich ja selbst immer so leid tut, würden die Meisten nicht mit der eigenen Enttäuschung so tapfer und ehrlich umgehen können, wie du es tust. Dafür kannst du dir wirklich mal selber auf die Schulter klopfen.
    Natürlich ist unglaublich schön, ein sportliches Ziel zu erreichen. Aber philosophisch gesehen ist es wahrscheinlich ein größerer Mehrwert, das Ziel mal nicht zu erreichen und daran zu wachsen…

    Wobei ich persönlich mir nicht sicher bin, ob ich die Größe und die innere Ruhe besäße, dies so einzuordnen.
    Also Respekt und gute Besserung!

  2. Neumeister, Manfred sagt:

    Du bist auf dem richtigen Weg. Vieles läuft im Kopf und weniger in den Beinen ab. Die Verletzung kann dabei behilflich sein. Lass den Schweinhund gleichfalls beiseite. Deine Leistung ist doch schon über den Durchschnitt unserer Gesellschaft. Spaß mit jedem Lauf den du machst, schafft aus meiner Sicht, eine bessere Zeit. Gute Besserung und ein Indianer (Güthling) kennt keinen Schmerz.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.