Anne Haug gewinnt den Fun Run 2018

Anne Haug gewinnt den Fun Run 2018

7. Mai 2018 Alles lesen Fit für 5 km Laufstrecken 0

Auf der Zielgeraden viel mehr strahlende als leidende Gesichter; Läufer, die Hand in Hand die letzten Meter zurücklegen oder noch die Kraft haben, die Siegerfaust in den sonnigen Himmel schnellen zu lassen; und eine Frau, die allen Männern die Hacken zeigt – das war der 16. Maisel‘s Fun Run in Bayreuth.

Knapp 3700 Läuferinnen und Läufer zwischen 2 und 78 Jahren testeten öffentlich ihre sportliche Verfassung und wurden dabei von Tausenden auf der Strecke durch Bayreuth umjubelt und angefeuert.

Der größte Jubel galt der Lokalmatadorin. Anne Haug, im Triathlon Weltklasse, war auf der Halbmarathon-Distanz (21,1 Kilometer) die Schnellste von allen, ließ auch alle Männer hinter sich. Nach der ersten Runde noch in Begleitung von Holger Zander und Jörg Schaller, setzte sich die Team-Icehouse-Sportlerin nach zwei Dritteln der Distanz von ihren Begleitern ab. Nach 1:16:20 Stunden lag sie im Ziel deutlich vor dem Erzgebirgler Zander (1:17:02) und Titelverteidiger Schaller (1:17:39). Mitfavorit Badhane Gamachu (BTS) gab auf, nachdem er bei Halbzeit schon gut 30 Sekunden hinter dem Trio gelegen hatte.

„Badhane hat enorm schnell begonnen, doch wir sind schon rasch wieder zu ihm aufgeschlossen“, erzählte Anne Haug im Kurier-Interview. „Dann konnte er nicht mehr den Anschluss halten. Auf der zweiten Runde habe ich dann immer damit gerechnet, dass meine beiden Konkurrenten das Tempo forcieren. Doch als das nicht geschah, habe ich etwa bei Kilometer 14 selbst die Initiative ergriffen.“ Die Männer waren geschlagen.

Nach dem Sieg in ihrer Heimatstadt – „War es hier der vierte? Ich weiß gar nicht so genau“ – lobte die Profisportlerin die gigantische Stimmung beim Fun Run: „Alle rufen deinen Namen; selbst von dir Überholte, die auf der kurzen Distanz unterwegs sind, feuern dich an. Und dank des Führungsfahrrades direkt vor mir war heute auch wieder ein gutes Durchkommen durch das Feld.“

Möglichst viel Applaus strebt die 35-Jährige in diesem Jahr auch bei der Mitteldistanz-WM und bei ihren ersten Ironman-Starts an. „Möglicherweise zahle ich in Frankfurt auf der doppelt so langen Strecke Lehrgeld, aber ich will mal schauen, wo ich stehe“, sagt sie. Der Trainingsumfang wird dafür etwas geändert („Mehr auf dem Rad“), aber nicht erhöht. „Das geht bei 30 bis 35 Stunden pro Woche ja quasi auch gar nicht mehr.“

Vera Gruber aus dem Allgäu war zweitschnellste Frau (1:30:58) – und von Bayreuths Lauf total begeistert. „Überall Leute, die einen pushen. Das gab bei mir überall Gänsehaut und eine fünf Minuten schnellere Zeit“, lobte sie das Publikum.

Der 44-jährige Zander (Läuferbund Schwarzenberg) war mit Gesamtplatz zwei und dem Staus als schnellster Mann im Halbmarathon zufrieden. „Es ist schon sagenhaft, was sich hier in Bayreuth abspielt“, urteilte der Klingenthaler über seine erste Fun-Run-Teilnahme. „Diese Stimmung an der Strecke gibt es wahrlich nicht überall.“ Schon vor drei Jahren hatte er in Bayreuth laufen wollen, aber keinen Startplatz mehr bekommen. „Diesmal habe ich es – nicht ganz ohne Beziehungen – geschafft“, verriet er.

Ein alter Bekannter auf den Wegen zwischen Marktplatz, Hofgarten, Universität und Studentenwald ist indes Dennis Gerhard. Am Sonntag machte der Läufer im gelben Trikot aus dem Uni-Team seinen Sieg-Hattrick auf der 10-km-Strecke perfekt. In 36:37 Minuten bezwang der Student Felix Mayerhöfer (DJK Dasswang) um zehn Sekunden und wurde erneut Stadtmeister. „Man kann gar nicht genug von diesen Dingern haben“, scherzte er bei der Pokalübergabe. Nach 37:20 sicherte sich mit Alexander Barth ein weiterer Starter der Uni Bayreuth Rang drei vor Matthew Stasikkevicius (37:27).

Stadtmeisterin ist eine in Erlangen Medizin studierende gebürtige Berlinerin. Ulli Kieschke gehört nämlich wie Anne Haug dem Bayreuther Team Icehouse an. Die 32-Jährige („Ich bin sehr gerne in Bayreuth und Umgebung“) legte die zehn Kilometer in 43:10 Minuten zurück und war damit ungefährdet. „Die ersten drei, vier Kilometer fielen mir schwer, dann haben mich ein paar Jungs mitgezogen“, sagte sie über erlaubte Schrittmacherdienste. Das Laufen ist dabei gar nicht die Nummer eins im sportlichen Leben von Ulli Kieschke. Sie konzentriert sich auf Mountainbike-Wettkämpfe.

Kristina Sendel wiederum hat den Traum von einer WM-Teilnahme im Triathlon noch nicht aufgegeben. Gestern war die Bayreuther Lehrerin aus dem Team maliCrew froh, überhaupt angekommen zu sein. Grund: eine Knieverletzung, die sie für drei Wochen quasi auf Eis gelegt hatte. In 44:27 belegte sie immerhin den zweiten Platz vor Anneka Döhla (ASV Stockenroth/45:17).

Zurück zu den 10-km-Männern: Denn der dort zweitplatzierte Mayerhöfer war zuvor beim erstmals im Rahmen des Fun Run durchgeführten 5-km-Fitnesslauf gestartet und hatte ihn in 15:56 souverän vor Kevin Dürst (Team Icehouse/17:02) für sich entschieden. Für ihre Zeit von 20:57 wurde Nina Rudolph (Physioschule Bayreuth) als schnellste Frau geehrt. Nur knapp dahinter (21:11) lag mit Antonia Schwenk ein Volleyball-Talent des Regionalligisten N.H. Young Volleys aus Neudrossenfeld. „Nie habe ich damit gerechnet, so weit vorn zu landen“, sagte sie, „nur neben dem normalen Training noch ein bisschen gejoggt.“

Dass sich der kurze Lauf bei seiner Premiere etabliert hat, glaubt AOK-Direktor Klaus Knorr, der den Startschuss abgegeben und selbst mitgelaufen war. „Was ich so hörte, war die Resonanz sehr positiv. Wir sind mit dem Fünfer in eine Lücke gestoßen, weil er für Einsteiger und so manchen, der sich auf den 10 Kilometern überforderte, besser geeignet ist.“

Startschütze für die Viertelmarathonläufer war EHC-Eishockeyspieler Sebastian Mayer, der Bayreuther Sportler des Jahres. Das Halbmarathonfeld schickte Raoul Korner, der Coach der Medi-Basketballer, auf die Strecke. „Ein Get Together für die ganze Stadt“, zeigte er sich von dem Ereignis beeindruckt. Und auch sein persönliches Ziel hat der Österreicher erreicht: „Ich versuche, mit dem Startschuss niemanden ins Jenseits zu befördern.“ JS

 

 

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